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Göttinnen und Götter in Norikum

Adsalluta ist eine norische, möglicherweise illyrische Göttin der keltischen Mythologie. Sie ist eine Flussgöttin und Göttin der Stromschnellen.

Adsalluta wird in Votivinschriften überwiegend aus dem Dorf Sava beim Fluss Save genannt. In mehreren dieser Inschriften wird sie zusammen mit Savus, dem Flussgott des in der Antike Savus genannten Flusses, erwähnt. Es wurde vermutet, dass sie die Personifizierung der Savinja, eines Nebenflusses der Save, ist.

Adsalluta

Aericura

Aericura, auch Aeracura, Aercura, Herecura, Hericura, Ericura oder Erecura, ist eine antike keltisch-germanische (nach einigen Theorien jedoch ursprünglich eine illyrische) Gottheit.

Aericura wird zumeist mit Attributen ähnlich der Proserpina dargestellt, manchmal in Begleitung eines Wolfs oder Hundes, sehr oft jedoch mit Fruchtbarkeitsattributen wie Apfelkörben. Von einigen wird Aericura als Fruchtbarkeitsgottheit gedeutet, häufig jedoch als Totengöttin und Begleiterin oder Helferin (πάρεδρα, Paredra) von Dis Pater, beide Funktionen können sich in der keltischen Glaubenswelt überschnitten haben. Eine bekannte Inschrift mit bildlicher Darstellung stammt aus Sulzbach (römische Provinz Germania superior) (heute im Badischen Landesmuseum Karlsruhe). Aericura wird hier mit einem Fruchtkorb in der Hand, Dis Pater mit einer Schriftrolle dargestellt.

Verbreitet ist Aericura hauptsächlich im Donaugebiet, Süddeutschland und Slowenien, jedoch tauchen Darstellungen von ihr auch in Italien, Britannien und Frankreich auf.

Schriftliche Belege für ihre Verehrung fehlen jedoch und eine Etymologie des Namens aus den keltischen Sprachen ist ebenfalls noch nicht gelungen. Eine Deutung aus dem Lateinischen *aeri-cūra („die sich um das aes [Kupfer/Bronzemünze?] sorgt“; von aereos, Kupfer) ist umstritten. Eilenstein übersetzt Aericura mit „Beschützerin im Kampf“.

In einer Inschrift in Corbridge, Northumberland ist ein männlicher Gott Arecurius erwähnt, der nach der Interpretatio Romana mit Apollon oder Mercurius gleichgesetzt wurde.

 

Alaunus oder Alaunius ist der Hauptgott der Alauni, eines norischen Teilstammes. Er wird als Sonnen-, Heil- und Wahrsagegottheit verehrt.

Der Name Alaunus wurde vor allem in Weiheinschriften im Raum des heutigen Frankreich, z. B. in Notre-Dame-des-Anges bei Lurs (Département Alpes-de-Haute-Provence) in der griechischen Schreibweise Αλα[υ]νειουι und in Nîmes gefunden; allerdings ist die Verehrung des Alaunus inschriftlich auch für Mannheim in Germania superior bezeugt. In dieser Inschrift aus römischer Zeit wurde Alaunus dem Genius des Mercurius gleichgesetzt.

Etymologie und Überlieferung
Alaunus ist wahrscheinlich mit dem kymrischen Wort Alaw- („Harmonie“) verwandt. Auch die proto-indogermanische Wurzel *alamo- („Schatz“, „Vermögen“) ist darin möglicherweise zu finden.

Alaunus
(Hauptgott der Alauni)

 

Alaunos

Arubinus

Arubianus oder Arubinus war ein keltischer Gott, der nur durch Inschriften aus der römischen Provinz Noricum bekannt ist.

Der Name wird als Keltisch für „Pflüger“ oder „Gott des gepflügten Feldes“ interpretiert. Mitunter wird er auch für den Lokalgott der römisch-keltischen Siedlung Arrubium (Măcin, Rumänien) gehalten, wobei seine Anhänger seinen Kult auch in andere Gebiete verbreitet haben müssten.

In römischer Zeit wurde Arubianus mit dem Gott Jupiter identifiziert, so dass es sich vielleicht um einen Himmelsgott oder Göttervater handelte. Andererseits galt Jupiter auch als Schutzgott der römischen Siedlungen, so dass die Gleichsetzung auch auf eine Lokalgottheit zutreffen kann.

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Belenus, Belinos, Belenos, (latinisierte Form Belenus) war ein keltischer Gott, der nach der Interpretatio Romana mit dem römischen Apollon gleichgesetzt wurde. Nach Epona ist er die von antiken Autoren am meisten genannte keltische Gottheit. Wegen der Verbreitung der Weiheinschriften wird vermutet, dass Belenus zum Urbestand der keltischen Religion zählt.

Für die Deutung von Belenus als Heilgottheit spricht die Etymologie als „Quellgott“ (keltisch *Guelenos zu indogermanisch *guelH-; vergleiche auch niederhochdeutsch „quellen“). Die ältere Forschung leitete den Namen von der Wurzel *bhel- („hell“, „leuchten“) ab. Es gilt allerdings auch eine Ableitung aus dem keltischen Wort für das Halluzinogen Bilsenkraut belenuntia, bellinuncium, bellenium. Für die Verbindung mit dem Bilsenkraut spricht auch, dass dieses im Lateinischen apollinaris herba („Apollo-Kraut“) genannt wird. Die erschlossene Wurzel *belenio- ist heute noch im spanischen beleño und im portugiesischen velenho (beides bedeutet „Bilsenkraut“) zu finden. Bei den zusammengesetzten Namen Cunobelinus und Lugobelinos (kymrisch Cynfelyn bzw. Llywelyn) ist der erste Wortteil jeweils eine Metapher für „Krieger“, der zweite kann das Bilsenkraut als Droge zur Steigerung der Kampflust bedeuten, ersteres kann auch „Hund des Belinus“ heißen.

Belenus

 

Belinos

Der frühchristliche Schriftsteller Tertullian (um 200) schrieb, dass jede Provinz ihre eigene Gottheit habe, in Noricum sei dies Belenus. Hier wurde auch eine Inschrift in Virunum gefunden. Die meisten dem Belenus gewidmete Inschriften stammen aus dem Ostalpenraum, Oberitalien und Süd-Gallien. Aus der norditalienischen Region Venetia, besonders in der Umgebung der Stadt Aquileia, sind mehrere Inschriften überliefert. Jeweils eine dieser Inschriften stifteten die Kaiser Diokletian (284–305) und Maximian (286–305) dem Belenus (Beleno). Als Kaiser Maximinus Thrax (235–238) im Jahre 238 die Stadt Aquileia belagerte, wollen seine Soldaten gesehen haben, wie Belenus (Βέλεν) von der Luft aus die Stadt zu verteidigen schien. Sechs weitere Inschriften aus Oberitalien wurden in Iulium Carnicum, Iulia Concordia und Altinum gefunden.

In Süd-Gallien ist auf einer Gemme aus Nîmes (Nemausis, Provinz Gallia Narbonensis) in griechischer Schrift und auf einem Stein aus Narbonne (Narbo, ebenfalls Gallia Narbonensis) in Lateinischer Schrift jeweils eine Widmung zu finden. Der Dichter Ausonius (4. Jahrhundert) berichtete zudem von einem Tempel des Belenus in Burdigala (heute: Bordeaux). Allerdings vermutet die moderne Forschung, dass er den Namen des Gottes lediglich aus poetischen Gründen gewählt habe. Weitere Nennungen sind auf einer gallische Inschrift in griechischen Buchstaben aus Saint-Chamas (RIG I G-28) und vermutlich auf zwei teilweise zerstörten Tafeln aus Marseille (Massilia) (RIG I *G-24) und Saint-Rémy-de-Provence (Glanum) (RIG I G-63).

Zusammenhänge mit anderen keltischen Gottheiten und Helden wie der gallischen Göttin Belisama, dem kymrischen Beli Mawr und dem irischen Bile werden vermutet, können aber nicht erwiesen werden. Der Ausdruck Bel-Feuer bei den Beltane-Zeremonien könnte sich auf Belinos und Beli Mawr beziehen.

Belenus gab vermutlich mehreren Ortschaften den Namen, so dem bei Aquileia liegenden Beligna und möglicherweise auch dem schweizerischen Biel/Bienne (a.1142: Belna *Belena).

Es wird diskutiert, ob Belenus im direkten Zusammenhang mit den drei Bölchen steht. Möglicherweise waren diese drei Berge und Anhöhungen Beobachtungspunkte beim Verlauf der Winter- und Sommersonnwende, so wie auch der Tagundnachtgleiche. Dies ist wissenschaftlich nicht belegt.

Briganitius

 

Briganitos

Briganitius ist der Name eines keltischen Gottes, sein Name bedeutet möglicherweise „der Erhabene“. Er wird als männliche Entsprechung der Göttin Brigantia interpretiert.

In Rom wurde eine Weihinschrift gefunden, die Briganitius „Deo Sancto (H)eroni Briganitio“ nennt.

Nach Birkhan kann der Name vom keltischen Ortsnamens-Teil briga- („Burg“) hergeleitet werden. Diese Bezeichnung einer Residenz, Fluchtburg oder eines Zentrums protourbanen Lebens ist im Celticum mit Ausnahme des inselkeltischen Bereiches weit verbreitet. Nach diesem Wortteil kann es sich bei Briganitius um den Schutzgott einer befestigten Siedlung handeln.

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Bussumarius war ein keltischer Gott, der von den Ostkelten verehrt wurde. Bussurigios (Βουσσουριγίος) stellt möglicherweise eine Variante des Namens dar. Unter letzterem Namen wurde er auch in der heutigen Türkei von den Galatern verehrt. Der Name taucht in der Schreibweise Bussumarus auch auf den boischen Biatec-Hexadrachmen auf. Vielleicht stellt die auf den Münzen dargestellte Figur eines nackten Mannes, der auf einem Pferd (oder einem Mischwesen aus Pferd-Mensch und Greif) reitet, diesen Gott dar.

Bussumaros bedeutet auf Keltisch „der mit den großen Lippen“ oder „der große Küssende“, Bussurigios würde dementsprechend als "Der königliche Küsser" oder „der, dessen Lippen königlich sind“ zu deuten sein. Am besten vergleicht sich hiermit der indische Donnergott Indra, der die Beinamen Suśpira und Śiprin »Gutlippiger« trägt.

In gallo-römischer Zeit wurde Bussumarius mit dem römischen Reichsgott Iupiter Optimus Maximus und mit dem Sonnengott Sol gleichgesetzt. Die gräcisierten Galater setzten ihn mit Zeus gleich, wie die zwei Weiheinschriften nordwestlich von Kalecık (Provinz Ankara, östlich des Van-Sees in der Türkei) zeigen. Der Stifter war zugleich auch Priester der Cybele.

Bussumarius

Cernunnos
(Hauptgott der Karnuten)

Cernunnos ist vermutlich der latinisierte Name eines keltischen Gottes. Sein Name wird als „der Gehörnte“ gedeutet, und er wird aus den bildlichen Darstellungen zumeist als Gott der Natur, der Tiere oder der Fruchtbarkeit interpretiert.
Der Name Cernunnos wird zumeist als „der Gehörnte“ oder „der mit den Ecken“ gedeutet und wurde in dieser Form in Gallien nur zweimal gefunden, wobei eine Form (auf dem Nautenpfeiler) nur fragmentarisches „[C]ERNVNNOS“ zeigt. Weitere Schreibweisen sind Karnonos, Cernenus, Cornutus, Karnuntinus und Kornunus, von denen immerhin drei übereinstimmend als Beinamen des gallischen Jupiters auftauchen, außerdem wird ein Cerunincos auf einer luxemburgischen Inschrift genannt.

Es gibt keine antiken literarischen Erwähnungen eines Gottes Cernunnos, doch wurden in Gallien, aber auch in Teilen Spaniens und Norditaliens bildliche Darstellungen des „Hirschgeweihgottes“ gefunden. Insgesamt lassen sich Spuren von Britannien über Gallien, Spanien und Italien bis nach Rumänien verfolgen. Der Name des Gottes wurde erst neuzeitlich mit dem Fund einer beschrifteten Darstellung am Pariser Pilier des Nautes bekannt. Caesar berichtet im so genannten Gallier-Exkurs seines Werks De bello Gallico, die Gallier führten ihre Abstammung auf einen Nachtgott zurück, den er in Interpretatio Romana mit dem altitalischen Dis Pater gleichsetzt. Dies sei der Grund, weshalb die Kelten nicht in Tagen, sondern in Nächten rechneten (vergleiche das englische Wort fortnight für einen Zeitraum von vierzehn Tagen). In dieser Gottheit, deren gallischen Namen Caesar nicht nennt, wollen manche moderne Forscher Cernunnos erkennen. Eine andere Vermutung besagt, dass er der Stammesgott der Karnuten sei, in deren Gebiet sich das Zentralheiligtum der Druiden Galliens befand.

Als „Hirschgott“ oder „Geweihgott“ wird in der Archäologie eine männliche Gestalt mit Hirschgeweih benannt, die häufig in einer sitzenden, manchmal an den Lotussitz oder einen meditierenden Buddha erinnernden Haltung dargestellt wurde. Oft ist der Geweihgott bärtig dargestellt, manchmal als Jüngling, meist aber als reifer Mann. Weitere Attribute sind ein Füllhorn oder ein Torques und eine oder mehrere Schlangen (oftmals die sogenannte „Widderhornschlange“). Die bekannteste Darstellung, die mit dem Geweihgott in Verbindung gebracht wird, ist das Relief auf dem 1891 in Dänemark gefundenen Kessel von Gundestrup, dessen Herkunft im östlichen Siedlungsgebiet der Kelten gesucht wird (Das Bildnis wird jedoch mit ebenso guten Argumenten als Schamane gedeutet). Das bisher älteste bekannte Bildnis, das möglicherweise Cernunnos darstellen könnte, ist eine Felszeichnung aus dem Val Camonica in der Provinz Brescia, welche eine mythische Figur mit erhobenen Armen und Torques zeigt, während vor ihr eine gehörnte Schlange aus dem Boden emporsteigt. Insgesamt wirkt sie beinahe viermal größer als die um sie herumstehenden Menschenfiguren, die ebenfalls die Arme erhoben haben.

Auf einem 1710 unter dem Chor der Kathedrale Notre-Dame de Paris gefundenen Basrelief wird dem dargestellten Geweihgott der (unvollständig erhaltene) Name „[C]ERNVNNOS“ zugeordnet. Das zugehörige Monument, der Pilier des Nautes (Kultpfeiler der Nautae Parisiaci), eine fünfstöckige Quadersäule der Gilde der Fluss-Schiffer vom Stamm der Parisier, stand ursprünglich in einem zentralen Tempel von Lutetia, dem heutigen Paris, und befindet sich heute im Musée de Cluny. Neben den Namen der griechisch-römischen Gottheiten Jupiter, „Volcanus“ und der Dioskuren sowie bildlichen Darstellungen des Mars und Merkur (vielleicht auch der Fortuna, Juno, Venus und Rosmerta), sind hier die keltischen Götter Tarvos Trigaranus, Esus, Cernunnos und Smertrios mit ihren Abbildungen zu sehen. Im Allgemeinen scheinen dem Geweihgott oft Tiere zugeordnet worden zu sein, weshalb man ihn auch in den Kontext der Darstellung und Verehrung eines „Herrn der Tiere“ einordnet.

Die Ikonographie des Herrn der Tiere (alternativ auch der Herrin der Tiere) war in der antiken Kunst vor allem bei den indo-iranischen Völkern bekannt. Darstellungen in Persien und dem Industal werden heute mit der Hindu-Gottheit Rudra in Verbindung gebracht. Die indischen Reliefs zeigen einen gehörnten Gott in Buddha-Haltung und umgeben von Tieren, die frappierend an die Darstellung auf dem Gundestrup-Kessel erinnern. Aus diesem Grunde wird häufig eine Vermittlung der Ikonographie des Herrn der Tiere an die Kelten durch die Skythen angenommen, die auch sonst großen Einfluss auf die keltische Kunst hatten. Zudem existiert auch eine griechische Bild- und Erzählungstradition, in der wahlweise Orpheus oder eine Potnia theron im Kreise wilder Tiere dargestellt wurde. Die gehörnte Gestalt des Dhū l-Qarnain im Koran geht auf den griechischen Alexanderroman zurück und wird mit Alexander dem Großen oder mit dem byzantinischen Kaiser Herakleios in Verbindung gebracht, wobei die Hörner als alte göttliche Zeichen verstanden werden. Damit wird eine Parallele zu den antiken gehörnten Göttern hergestellt.

Für das Mittelalter wird ein Weiterleben der „Herr-der-Tiere-Ikonographie“ unter anderem bei dem bretonischen Heiligen Saint Cornély und bei Darstellungen des angeblichen Templergötzen Baphomet behauptet.

Häufig diskutiert wird ein eventuelles Weiterbestehen des Geweihgottes in der inselkeltischen Literatur des Mittelalters, am häufigsten werden hier die Gestalten des Wilden Mannes, des „Green Man“ und des Wilden Jägers erwähnt, die jedoch alle nicht spezifisch keltisch sind. Interessant ist die Figur in Chrétien de Troyes’ Yvain ou le Chevalier au lion: In diesem Epos trifft der Held auf einen schwarzen einäugigen Riesen, der umgeben ist von einer gewaltigen Anzahl von Tieren und in Begleitung eines Hirsches. Eine ähnliche Gestalt taucht später ebenso in Hartmann von Aues Iwein-Epos als „Waltmann“ auf.

In der irischen Sage wird oftmals Conall Cernach als „der Siegreiche“ benannt, dessen Beiname Cernach auch als „der Eckige“ oder „der Gehörnte“ gedeutet werden kann. In Wales wird Cernunnos wohl unter dem Lokalnamen Cernwn erwähnt, beispielsweise als der „tiefe Kessel des Cernwn, der grauenvoll unendlich rauchende, der zu Samhain sich über der Welt öffnet“.

Im englischen Volksglauben findet sich Cernunnos eventuell im mittelenglischen Mythos um die Figur des Herne („der Gehörnte“) in der Grafschaft Berkshire wieder, der auch als Geist eines Wildhüters im Park von Windsor angesehen wird. Diese Figur wurde vor allem durch William Shakespeares Komödie Die lustigen Weiber von Windsor und – etwas später – durch Richard Carpenters Fernsehserie Robin of Sherwood (deutscher Titel: „Robin Hood“) als Herne the Hunter („Herne der Jäger“) bekannt. Die Form „Herne“ gilt zwar als angelsächsisch, ist jedoch mit dem keltischen „Cern-“ für „Horn“ urverwandt.

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Danuvius ist die römische Personifikation ("Flussgott") des Flusses Donau (lat: Danuvius, Danubius).
Der Name des Flusses Danuvius ist indogermanischen Ursprungs und leitet sich von der Wurzel *deH2nu-, „Fluss“ ab, die häufig in Flussnamen erscheint (Rhodanus, Don, Dniestr, Downy etc.). Von derselben Wurzel scheinen mehrere Gottheiten benannt zu sein, so unter anderem die irische Danu und die walisische Dôn, wobei allfällige Zusammenhänge nicht klar sind.

Weihinschriften für einen Flussgott Danuvius stammen aus den römischen Provinzen Raetia, Noricum und Pannonia. Einmal wird Danuvius mit dem römischen Göttervater Jupiter und einmal mit dem Flussgott Dravus (die Drau) angerufen. Bei Martial ist von den „treulosen Hörnern“ der Donau zu lesen, weswegen Danuvius manchmal als „gehörnte Gottheit“, ähnlich dem „zwiegehörnten“ Rhenus, gesehen wird.

Danuvius

 

Danubios

Weiheinschriften wurden gefunden in Mengen (Baden-Württemberg), Rißtissen (Baden-Württemberg), Budapest (Aquincum, Ungarn) und Osijek (Mursa, Kroatien).

Die berühmte bildliche Darstellung eines typischen Flussgottes auf der Trajanssäule wird oft mit Danuvius in Zusammenhang gebracht. Der Flussgott, mit starker Ähnlichkeit zum römischen Neptunus, sitzt unter der Trajansbrücke und beobachtet das Überqueren der Donau durch die römischen Legionen zu Beginn der Dakerkriege. Da aber diese Brücke in jenem Bereich des Unterlaufs der Donau liegt, der in der Antike Ister hieß - und der einen gleichnamigen Flussgott besaß - ist es jedoch ebenso wahrscheinlich, dass es sich hierbei um seine Abbildung handelt, zumal es auch jener Flussgott ist, den die zu besiegenden Daker anbeteten.

Die Goten, die Danuvius (got. Δούναβις = *Donaws) als Rächer anriefen, schworen auch in seinem Namen. Der gotische Feldherr Gainas ließ sogar die ihm folgenden Römer dem Fluss opfern.

Ähnliches gilt auch für den Unterlauf der Donau, der in der Antike auch Hister oder Istros genannt wurde und den Griechen schon früh bekannt war. In Hesiods Theogonie ist Istros der Sohn von Okeanos und Tethys. So schworen auch die Daker auf Ihren Flussgott (Ister). Ihnen war jedoch die Einheit von Donau und Ister nicht bekannt.

Epona

Epona, seltener auch Epana genannt, ist eine keltische Göttin der Fruchtbarkeit und der Pferde. Der Name leitet sich vom altkeltischen *epos, irisch ech (beides: „Pferd“) und kymrisch ebol („Fohlen“) ab. Sie trägt auf Inschriften mehrmals den Titel Regani.

Die Verehrung Eponas war zu Zeiten der Kelten und Gallo-Römer in der Antike bis Spätantike im gesamten keltischen Raum (Celticum) verbreitet, was durch rund 60 Weiheinschriften bezeugt ist. Epona wurde meist mit Pferden, oft auch mit einer Schale, Früchten oder einem Füllhorn abgebildet, was auf eine zusätzliche Funktion als Fruchtbarkeitsgöttin schließen lässt. In Norditalien wird sie in einer Inschrift mit den Kalendae (Monatserster) des Ianuarius (Januar) in Verbindung gebracht.

Die römischen Truppen übernahmen Epona als Göttin der Pferde und der Reiterei, wobei sie nicht nur als Schutzgöttin der Kavallerie, sondern auch der Wagenführer verehrt wurde. In der Spätantike wurde das Fest der Epona in der Umgebung von Mantua am 18. Dezember begangen. Nach Angaben bei Juvenal (Satiren 8,155–157) und Apuleius (Metamorphosen 3,27,2) wurden Figuren der Göttin in kleinen Schreinen bei Pferdeställen verehrt. Juvenal verspottet die römische Nobilität, weil sie wie Pferdeknechte bei Epona, der „Figur auf stinkenden Stallwänden“, schwören würde; Apuleius erwähnt die Rose als Schmuck der Kultbilder. Minucius Felix (Octavius 28,7) nennt ebenfalls mit Rosen geschmückte Pferde und Esel, die Epona zu Ehren manchmal auch geopfert würden. Auch bei Tertullian (Apologeticum 16,3; Ad nationes 1,11) wird die Göttin genannt.

Als Mutter- und Landesgöttin wird sie in ihrer Funktion als Nothelferin gesehen; im inselkeltischen Bereich wird sie mit Rhiannon verglichen. Bei Plutarch (mor. 312E) wird die Zeugung Eponas durch die Vereinigung eines misogynen (frauenhassenden) Römers namens Fulvius Stella mit einer Stute erklärt.

In einer künstlichen Höhle in Marquínez einem Ortsteil der Gemeinde Bernedo Álava in der Region Montaña Alavesa in Spanien, gibt es eine Felsgravur, die von einigen Gelehrten als Göttin Epona identifiziert wurde. Das Relief zeigt einen Mann und eine Frau auf dem Pferderücken. Letztere wird als eine Darstellung der Göttin Epona und ersterer als Beter oder Anhänger gedeutet.

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Der Genius cucullatus (Plural Genii cucullati) ist ein zwergenhafter keltischer Kapuzendämon und Schutzgeist. Die Verehrung des Genius cucullatus lässt sich durch Inschriften und Bildzeugnisse in Gallien, Britannien, Germanien und Noricum nachweisen.

Der Name des Genius cucullatus leitet sich vom Umhang (keltisch sagum) mit Kapuze (keltisch cucullus, cuculla, auch bardocucullus - „Barden-Kapuze“) her, der klassischen Reisekleidung der Gallier. Ob eine Verbindung zu Fionn mac Cumhaills magischem Kapuzenmantel besteht, ist unsicher.

Genius Cucullatus

 

Cucullatos

So findet sich sein Name etwa auf zwei Weiheinschriften aus einem Heiligtum in Wabelsdorf bei Klagenfurt in Kärnten (römische Provinz Noricum), auf einigen Weihesteinen in Augusta Treverorum (Trier, römische Provinz Gallia Belgica), aber auch in Britannien, z. B. in Corinium Dobunnorum (Cirencester, römische Provinz Britannia prima – hier zusammen mit einer Muttergottheit) ist der Name Genius cucullatus zu finden. Die Reliefs zeigen sie teils als bärtige Zwerge (Trier), teils als Erwachsene in Kindergröße (Cirencester). Sie halten manchmal Schwerter oder Schriftrollen, öfter allerdings Eier als Fruchtbarkeitssymbole in der Hand und sind in der Nähe von Heilquellen als kegelförmig zugehauene Steinstatuetten zu finden.

In den Garnisonen entlang des Hadrianswalles wurden sie offenbar als Schutzgeister im Kampf verehrt, deren Weihesteine von Legionären gestiftet worden waren. Ihre Funktion als Nothelfer ist aus der Bekleidung zu erkennen - sie sind immer reisefertig, um zu helfen. Eine eher heitere Szene zeigt fliegende Genii cucullati als Jagdhelfer auf Keramikfragmenten von Camulodunum (Colchester, römische Provinz Britannia).

Die Genii cucullati werden sowohl einzeln, als auch in Dreiergruppen, manchmal zusammen mit einer sitzenden Göttin abgebildet.

Der Genius cucullatus ist wahrscheinlich mit dem kleinasiatischen ebenfalls einen Kapuzenmantel tragenden Heilgott Telesphoros („Vollender“), einem Begleiter von Asklepios und Hygieia, verwandt. Die Verbindung stellen möglicherweise die keltischen Galater her, in deren aus der gallischen Heimat nach Kleinasien mitgenommenen Götterwelt er einen Platz innehatte.

Die Genii cucullati könnten in den volkstümlichen Vorstellungen von zwergenhaften zipfelmützigen Dämonen und Helferlein weiterleben - letztlich verkörpert in unseren Gartenzwergen.

Grannus

 

Grannos

Grannus (gallisch Grannos) ist der Name eines Heilgottes der Kelten und wurde nach der Interpretatio Romana mit Apollon gleichgesetzt. Seine Partnerin war die Göttin Sirona.

Grannus war offenbar der keltische Gott mit der größten Ausbreitung. Das Zentrum seiner Verehrung lag in den Provinzen Niedergermanien, Obergermanien und Raetia, inklusive der Agri decumates. Besonders in Faimingen, Lauingen (Donau) und Höchstädt an der Donau, alle in der römischen Provinz Raetia, jetzt Bayrisch Schwaben, wurden viele dem Grannus geweihte Inschriften gefunden. In Faimingen steht der von Kaiser Caracalla gestiftete Apollo-Grannus-Tempel. Doch Widmungen finden sich von Musselburgh in Schottland und Astorga, Provinz Hispania citerior (Spanien) bis nach Ephesos am Ägäischen Meer. Ein Bronzeeimer mit einer Inschrift an Apollo Grannus stammt sogar aus einem Grabhügel in Fycklinge bei Västerås (Schweden). In einer Inschrift aus Horbourg-Wihr (Elsass) hat er den Beinamen Mogounus „Mächtiger“ oder „Jüngling“ und eine Inschrift aus Branges (Département Saône-et-Loire) ist dem Amarcolitanus, dem „Weithinschauenden“ bzw. „Weitsichtigen“, gewidmet.

Grannus wurde nicht nur von Kelten verehrt. Nachdem einige Alamannen mit gewissen Zaubermitteln und Zaubersprüchen den Kaiser Caracalla (211–217) krank gemacht hatten, bat er vergeblich Apollon Grannus (Γράννος), Asklepios und Sarapis um Heilung.

Grannus wurde vor allem in Heilbädern verehrt: So hieß Aachen, wo heiße Quellen der Erde entspringen, wenigstens seit dem frühen Mittelalter Aquae Granni („Wasser des Grannus“). Nach diesem Gott ist ebenfalls das gallo-römische Quellheiligtum von Grand an der ehemaligen Römerstraße Lyon-Trier (heute Grand (Département Vosges)) benannt, wo drei dem Grannus gewidmete Inschriften gefunden wurden. Das Sironabad bei Nierstein am Rhein ist dem Götterpaar Apollo Grannus und Sirona geweiht.

Ein weiteres Kultzentrum des Apollo Grannus könnte sich im Trierer Tempelbezirk im Altbachtal befunden haben.

Der gallische Name Grannos wird meist als „Sonne“ (altirisch grían „Sonne“) gedeutet und derjenige seiner Partnerin Sirona als „Großer Stern“. Doch ist eine Ableitung aus indogermanisch *guhr-snó-s „Wärmer“ (keltisch *Grasnos) wahrscheinlicher, zumal Heilbäder von natürlichen warmen Quellen gespeist werden. Im Altirischen hat sich dann die Bedeutung „warm“ sekundär zu „Sonne“ verschoben.

Birkhan zitiert Whatmougs Dialects of Ancient Gaul (1971), der ein angebliches gallisches Wort granus („Bart“, „Schnurrbart“, auch „Augenbraue“) nennt; allerdings gibt es auch eine germanische Entsprechung, vergleiche das deutsche Wort Granne. Das im Dictionary of the Irish Language (1983) auf S. 370 angeführte mittelirische grenn bzw. bretonische grann lassen eine keltische Form aber durchaus möglich scheinen. Dies könnte auf die erwachsene Männlichkeit und Schönheit des Gottes hinweisen. Die Ableitung bei Olmsted bezweifelt Birkhan allerdings, da sie mit dem a-Vokalismus von ā nur schwer vereinbar sei.

Andere bekannte keltische Heilgötternamen wie Belenus, Bormo/Borvo und Toutiorix stellen nach heutigem Stand regionale Varianten desselben keltischen Heilgottes dar.

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Latobius, auch Latovius ist der Name einer keltischen Gottheit, die auf einigen Inschriften aus der römischen Provinz Noricum genannt wird. In der Interpretatio Romana wird er meist mit Mars gleichgesetzt und als Mars Latobius angerufen. Er ist ein Heil-, Hirten- und Totengott.
Der Name Latobius/Latovius ist etymologisch nicht sicher geklärt. Bei Helmut Birkhan werden Übersetzungsversuche einiger Fachautoren angeführt: „der weithin Schlagende“, „Schläger der Wut“, „der weithin Gewaltige“, „der in der Ebene Mächtige“. Letzteres stimmt nicht ganz überein mit den Fundorten, die sich auf Bergspitzen und Passübergängen befinden.

Latobius


Latobios

In St. Margarethen bei Sankt Paul im Lavanttal hielt das Kultbild des Gottes anstatt eines Speeres das keltische pedum, den Hirtenstab. Diese Bronzestatue aus St. Margarethen war typenbildend für die Darstellung des Mars Latobius in römischer Zeit, wie ihre zahlreichen Repliken auf Grabsteinen beweisen.

Auf einem Hügel bei Sankt Margarethen im Lavanttal ist ein Heiligtum des Latobius ausgegraben worden. Es handelt sich dabei um einen typisch keltischen Umgangstempel. Ein Umgang (16 × 17,10m Seitenlänge) windet sich um die fast quadratische cella (drei Seiten messen 9,80m, eine 9,60m), wobei der Umgang an der Ostseite genauso wie bei anderen entsprechenden Funden im Ostalpenraum etwas breiter ist. Ein mit einer Mauer umfasster Hof umgab den Tempel, jedoch ist dieser nicht vollständig ausgegraben. Der heilige Brunnen war über eine steile Stiege erreichbar.

Latobius wird in vier Weiheinschriften aus Noricum erwähnt, und zwar zwei davon aus Seggauberg (römisch Flavia Solva, Steiermark) sowie zwei weitere in Sankt Paul im Lavanttal (Kärnten). In den Inschriften aus Seggauberg wird der Gott Mars Latobius genannt, eine Kolossalstatue befindet sich im Stiftsmuseum von Sankt Paul.

Eine Felsinschrift für Mars Latobius wurde in der Kienbachklamm bei Bad Ischl im Salzkammergut gefunden.

Weitere Fundorte sind in Lendorf (Bezirk Spittal an der Drau) in einem Marsheiligtum, der so genannten Römerklause aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., bei der Pfarrkirche zum Heiligen Peter angeführt, sowie in Spielberg bei Knittelfeld. Der traditionelle Vierbergelauf über vier Kärntner Berge führt an einem Latobius-Heiligtum in der Stadt auf dem Magdalensberg vorbei.

Lugus


Lugos

Lugus war eine Gottheit, die während der Antike in großen Teilen der keltischsprachigen Welt verehrt wurde. Sein Name ist aus Inschriften nur dürftig belegt, doch kann aufgrund seines häufigen Erscheinens in Ortsnamen und Ethnonymen geschlossen werden, dass er eine wichtige Position innerhalb des keltischen Pantheons innehatte. Weitere Anhaltspunkte für seine Bedeutung sind gallorömische Weiheinschriften sowie die im Laufe des Mittelalters aufgezeichneten Erzählungen über seine inselkeltischen Nachfahren, den irischen Lug mac Ethnenn und den walisischen Llew Llaw Gyffes.

Der Name Lugus erscheint in gallorömischen Weiheinschriften als Plural Lugoves (so etwa in Aventicum und Osma) oder als Lucubo, Locobu und Lucubo(s) in Inschriften von der Iberischen Halbinsel. Eine Bleitafel aus dem französischen Chamalières enthält die Worte luge dessummiíis, was möglicherweise zu übersetzen ist als „ich bereite sie für Lugus vor“.

Sein Name liegt zahlreichen Ortsnamen zugrunde, insbesondere in Komposita auf dūnon, gallisch Lugdūnon oder Lugudūnon, „befestigte Siedlung des Lugus“. Neuere Theorien, wonach diese Ortsnamen keine direkten Herleitungen des Götternamen seien, übersehen unter anderem die aus der irischen Mythologie gegebene Verbindung zu Lugus in der Kultfeier Lugnásad, welche am selben Tag (1. August) begangen wurde wie das Fest des Mercurius Augustus und der Maia Augusta in Lugdunum (Lyon), einem von Kaiser Augustus als römischer Staatskult adaptierten Hauptfest der gallischen Stämme.

Zu den Lugdunum genannten Orten stellte sich in der römischen Verwaltung häufig ein Ethnonym, um die verschiedenen gleichnamigen Orte voneinander zu unterscheiden. Daneben gab es aber auch zahlreiche kleinere Orte dieses Namens, selbst in germanischem Gebiet.
Andere Ableitungen aus späterer Zeit sind etwa Luguvalium an der Stelle des heutigen Carlisle (belegt aus dem 3. Jh.), wohl eine Ableitung von dem Personennamen *Luguvalos, oder LLeuddiniawn (mittelkymrisch), das heutige Lothian.

Auf Lugus gebildete Personennamen sind ebenfalls recht häufig. In Ogham-Inschriften erscheinen unter anderem Lugudec (altirisch: Lugaid) oder Luguaedon (altirisch: Lugáed); in älteren gallischen Inschriften finden sich der Männername Lugurix („Lugus-König“?) und der Frauenname Luguselva („dem Lugus zu eigen“).

Die Etymologie des Lugus-Namens ist äußerst umstritten. Eine Ableitung der indogermanischen Wurzel leugʰ- / lugʰ- („Eid, schwören“) ist ebenso möglich wie eine Interpretation als „hell, strahlend“ anhand von kymrisch lleu („Licht“, vergleiche altgriechisch λευκός- „hell, klar, weiß“).

Ein Hinweis Pseudo-Plutarchs legt nahe, dass sich bereits die antiken Gallier den Namen des Lugus als „Rabe“ erklärten. In den heutigen inselkeltischen Sprachen fehlen jedoch Reflexe eines solchen Wortes in der Bedeutung „Rabe“ oder „Vogel“ vollkommen, obschon der Name selbst in der Gestalt Lugh (irisch) und Llew (walisisch) weiterbesteht. Dass auch die Stadt Lugdunum (Lyon) bereits in der Antike mit Raben assoziiert wurde, ergibt sich aus der von Pseudo-Plutarch erwähnten Gründungssage, in welcher Raben eine zentrale Rolle spielten, sowie aus der Ikonographie auf Münzen der Stadt. Eine mögliche Etymologie zu einem „Rabengott“ Lugus wäre die indogermanische Wurzel pleugʰ- (vergleiche deutsch fliegen), die jedoch für gewöhnlich als pleuk- rekonstruiert wird.

Eine genaue Bestimmung seiner Funktionen im gallischen Pantheon wird durch die Spärlichkeit antiker Nachrichten und durch die gängige Praxis der Interpretatio Romana erschwert. Die dadurch gegebenen Überschneidungen mit anderen Götternamen wie auch die keltische Tendenz, sich die Götter in Triaden zu denken, machen eine klare Umschreibung des Lugus zu einem größtenteils hypothetischen Unterfangen. Insbesondere die mehrfach belegte Pluralnennung seines Namens (Lugoves) legt nahe, dass sich der Gestalt des Lugus verschiedene weitere Namen zuordnen lassen dürften. Mit Bestimmtheit lässt sich allerdings allein sagen, dass Lugus eine Assoziation zu Vögeln, insbesondere zu Raben hatte. Anhand der irischen und walisischen Parallelen darf man wahrscheinlich auch den Speer sowie eine Art zauberisch wirksamer Einäugigkeit zu seinen Attributen rechnen.

Funktional könnte Lugus eine Art Handwerkergott gewesen sein, was sich einerseits auf seine vermutete Gleichsetzung mit Merkur, andererseits auf eine Inschrift aus dem spanischen Osma stützt, in welcher die Schustergilde den Lugoves ein Weihegeschenk macht. Dies wird unter anderem gestützt durch die aus der inselkeltischen Tradition belegten Beinamen sam-ildánach (ungefähr „der in vielen Künsten zugleich begabte“) und llaw gyffes („mit der geschickten Hand“).

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Mogetius ist der Name eines keltischen Gottes, der nach der Interpretatio Romana mit Mars gleichgesetzt wurde.

Der Name Mogetius ist auf zwei Weiheinschriften zu finden: Die eine wurde in Bourges/Avaricum (Département Cher, Frankreich) gefunden, die andere in Seggauberg/Solva (Steiermark, Österreich).

Mogetius

Moltinus

 

Moltinos

Moltinus wurde als Fruchtbarkeitsgottheit angebetet, allerdings auch als chthonischer (Unterwelt-)Gott. In der Interpretatio Romana wurde er in Mâcon mit Mars gleichgesetzt, in Wilten zusammen mit Mercurius angerufen.

Der Name wird aus dem irischen molt, bzw. dem walisischen mollt (beides bedeutet „Widder“) hergeleitet. Vergleiche auch das bis heute im Französischen erhaltene gallische Wort mouton („Schaf“, „Hammel“). Der Widder galt bei den Kelten unter anderem auch als Symbol der Fruchtbarkeit.

Moltinus wird in einer Weiheinschrift von Mâcon (Matisco, römische Provinz Gallia Lugdunensis, Département Saône-et-Loire, Region Burgund in Frankreich) im Gebiet der Aeduer genannt sowie auf einem Fluchtäfelchen (Defixio) aus Veldidena (Wilten bei Innsbruck, römische Provinz Raetia).

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Matronen, Matronae (von lateinisch matrona „Familienmutter, vornehme Dame“), Matres (auch Deae Matres) oder Matrae (von lateinisch mater „Mutter“) sind nur in der Mehrzahl, überwiegend in Dreizahl auftretende Muttergottheiten der römischen, germanischen und keltischen Religion. Sie sind einzig durch Inschriften und bildliche Darstellungen bekannt, antike Schriftquellen zu ihnen fehlen.

Dargestellt werden sie in Form einer sitzenden Dreiergruppe auf Votivsteinen und Altären vor allem in den Nordwest- und Nordost-Provinzen des Römischen Reiches sowie in Gallien, Nordspanien und Norditalien.

Matronen

Über 800 Matronensteine sind bisher alleine auf dem Gebiet der ehemaligen römischen Provinz Niedergermanien gefunden worden, gehäuft im südlichen Rheinland, weitere Weihesteine wurden in Südfrankreich und Süditalien gefunden. Alle tragen lateinische Inschriften, bei denen die Namen einheimischer Stifter in die lateinische Schrift übertragen wurden (Latinisierung), zahlreich sind aber auch die Stifter mit rein römischen Namen. Die älteste gefundene Inschrift datiert zwischen 70 und 89 n. Chr. aus Andernach, die späteste in das Jahr 240. Es sind etwa 70 Beinamen der Göttinnen bekannt, die stiftenden Personen tragen römische, keltische und germanische Namen, sodass von einem gallo-römisch-germanischen Kult gesprochen wird. Die Göttinnensteine wurden gestiftet, um Schutz für die Familie, Fruchtbarkeit oder beruflichen Erfolg zu erbitten, oder als Dank für die Errettung von einer Gefahr oder Krankheit. Es ist nicht belegt, wie und ob sie angebetet wurden, aber auf zahlreichen Matronensteinen findet sich die Abkürzung „V S L M“ (Votum Solvit Libens Merito: „Das Gelübde gern und verdienstvoll eingelöst“, kurz L M, siehe die Gripswalder Matronensteine). Solche Gelübde lassen erkennen, dass die Matronen um Schutz, Beistand und Segen im weitesten Sinne angerufen wurden.

Weihesteine mit figürlichen Reliefs präsentieren die Matronen fast ausschließlich als Dreiheit (Trinität): in der Mitte eine jüngere Frau mit offenen schulterlangen Haaren, links und rechts neben ihr zwei ältere Frauen mit auffallenden Hauben als Kopfbedeckung (wie sie verheiratete und verwitwete Ubierinnen in und um Köln trugen). Die Darstellungen sind mit kleinen Obstkörben, Blumen, Ähren oder einem Kästchen mit Weihrauch versehen. Diese weibliche Trinität wird mit den weiblichen Altersstufen Junge Frau, Mutter und Alte Frau in Verbindung gebracht. Matronenheiligtümer wurden beispielsweise in der Eifel ausgegraben, so der Tempelbezirk von Pesch und in der Tempelanlage Görresburg. Die Matronen sind vermutlich die Grundlage der Juffernsagen im westlichen Rheinland.

In der römischen Religion existiert keine direkt entsprechende Definition für Matronae. Die Bezeichnungen unterscheiden sich, vermutlich geographisch bedingt: in Oberitalien Matronae, in Britannien Matres, in Gallien meist Matrae (Dativableitung) und Matres. Im Inschriftencorpus treten zum herkömmlich geläufigen Matronis gelegentlich Titel wie „Dea“ und „Deae“ und „Sanctus“ hinzu.

Votivsteine und Altäre waren in vielen Fällen keine alleinstehenden Denkmäler, sondern wurden häufig in Verbindung mit Kultzentren oder Tempelanlagen gebaut. Beispiele dafür wurden in Bonn, Eschweiler, Geuenich (bei Inden), Pesch und Görresburg bei Nettersheim gefunden.

Über die konkrete Form des Matronenkults ist wenig bekannt, er wurde verbreitet durch römische Legionäre, insbesondere germanische Militärangehörige und (Um-)Siedler, beispielsweise im provinzialrömischen Niederrheingebiet. Neben sogenannten Fruchtkörben (Apfel, Granatapfel, Birne, Pinienzapfen), die die Matronen auf ihrem Schoß tragen, hin und wieder auch ein Schatzkästchen, finden sich auch Darstellungen von Opferszenen, Weihrauch und Tieropfern wie Eber und Fisch. Die sonstigen Beigaben sind Pflanzen, Bäume, das Füllhorn (wiederum mit Granatapfel, Birne und Pinienzapfen) sowie (Wickel-)Kinder. Die Darstellung der Matronen deutet auf das zyklische Geschehen in der Natur, den Jahreszeiten, der allgemeinen Fruchtbarkeit (Fertilität) hin.

Die Verehrung der Matronen als Muttergöttinnen oder religiös verehrte Frauen klingt auch an in späteren Kulten für die nordischen Dise, der angelsächsischen Mōdraniht („Nacht der Mütter“) sowie vermutlich in den literarischen Idisi des Ersten Merseburger Zauberspruchs.

Bei allen auf Matronensteinen gefundenen Inschriften kommt zum Namensteil „Matronae“, „Matres“ oder „Deae“ meist ein Beiname als Zusatz, beispielsweise Matronae Vacallinehae (Gewässer- und Ortsname), dabei ist die Häufigkeit der auftretenden Namen sehr unterschiedlich (siehe Liste von Matronennamen). Während die meisten nur einmal auftreten, lassen sich bei anderen gebietsweise Verdichtungen feststellen, die möglicherweise auf Kultzentren hinweisen. In vielen Fällen können die Namen nicht mehr gedeutet werden. Bei manchen lassen sich Schlüsse auf die Art und Funktion der Göttinnen ziehen, so finden sich verschiedene Schutz-, Quell- und Wassergöttinnen.
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Meduna

Meduna ist eine keltische Göttin, die in einer Inschrift aus Bad Bertrich zusammen mit Vercana genannt wird.

Meduna wird manchmal mit dem gallischen Wort medu- für Met in Verbindung gebracht, sie wäre somit eine Göttin der Honigweinherstellung oder wie die irische Medb „die Berauschende“, „die Berauschung“ oder „die Berauschte“.

Denkbar ist auch, dass Meduna und Vercana wegen der Nennung auf einer Brunnenschale die Quellgöttinnen der warmen Heilquellen von Bad Bertrich waren. Für die Deutung als Quellgöttin sprechen zudem die Flussnamen Meduana (heute: Mayenne) in der Normandie und Meduna in Venetien.

 

Noreia galt früher als das Epitheton einer vorrömischen, möglicherweise keltischen Muttergöttin, bekannt aus Weiheinschriften der römischen Kaiserzeit. Da eine Etymologie des Namens noch nicht gelungen ist, wurde sogar eine vorkeltisch/illyrische Gottheit angenommen.
In der ehemaligen römischen Provinz Noricum, im Raum des heutigen Kärntens, der Steiermark und Sloweniens sind zahlreiche Weiheinschriften mit dem Namen der Noreia gefunden worden.

Noreia

Noreias Name wird mit dem keltischen Stamm der Noriker in Verbindung gebracht, in deren Siedlungsgebiet ihre Inschriften gefunden wurden. Das Suffix -eia spricht für einen ursprünglichen Stammes- und/oder Siedlungsnamen und nicht für einen Götternamen. Frühestens unter Vespasian wurde Noreia, wohl als politische Loyalitätsadresse, mit Isis in Verbindung gebracht - später wurde von der Eisengrubenverwaltung diese Gleichsetzung, vielleicht wegen der besonderen Funktion der Isis als Schutzgöttin des Bergbaues, übernommen. Sie wurde von den Römern offiziell verehrt. In der römischen Zeit wurde "Isis-Noreia" angeblich als Herrin des Schicksals, des Lebensglücks, der Fruchtbarkeit, des Bergsegens und der heilenden Kraft insbesondere des Wassers angesehen.

Heiligtümer sind in Hohenstein im Glantal und auf dem Ulrichsberg durch Inschriften bezeugt. Mit Noreia wurden zwei Ortschaften im Stadtbereich von Virunum bezeichnet (eine 27 Meilen entfernt, die andere 40 Meilen). Aus diesen Bereichen finden sich auch Inschriften über diese Göttin.

Im Ort Frauenberg bei Leibnitz, 500 m neben dem Schloss Seggau, befindet sich das größte Heiligtum der Isis-Noreia außerhalb Ägyptens (bzw. außerhalb jedes anderen Landes, denn Noreia ist nie in Ägypten oder anderen Ländern verehrt worden...) Die Göttin Noreia, eine Erdgöttin, vergleichbar mit Artemis oder der "Göttlichen Mutter" wurde ab 1500 v. Chr. in einem Tempel am Frauenberg verehrt. Noreia war aber nicht nur eine Muttergottheit oder Landesgöttin sondern auch Schützerin des ausgedehnten Bergbaues.

Sirona

 

Đirona

Sirona, auch Đirona, war eine keltische Göttin der Heilung. Sie wurde ikonographisch der römischen Heilgöttin Hygieia gleichgesetzt. Sie ist häufig Kultgenossin des Apollo Grannus.

Sirona ist ausschließlich aus Inschriften bekannt, keine antike Schriftquelle erwähnt sie, sie hat keinerlei Mythologie.

Bisher sind neun Weihinschriften für (Dea) Sirona alleine bekannt. Sie finden sich überwiegend in den Provinzen Gallia Belgica und Germania superior, vereinzelt in den Provinzen Gallia Celtica, Aquitania und Lugdunensis.

Häufiger jedoch, insgesamt fünfzehn Mal, wird sie in Kombination mit Apollo genannt, der im Zuge der Interpretatio Romana mit dem Heilgott Grannus identifiziert wurde. Diese Inschriften finden sich in der Gallia Belgica und der Germania superior, in Raetia, Noricum, Pannonia und Dacia sowie einmal in Rom, nicht jedoch im westlichen Gallien.

Ein Heiligtum des Apollo und der Sirona des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurde in Hochscheid (Hunsrück) ausgegraben. Dort fand sich auch die Inschrift „DEO APOLLINI ET SANCTE SIRONE“. Ein weiteres Heiligtum des Apollo und der Sirona ist durch eine 201 n. Chr. datierte Bauinschrift aus Großbottwar belegt. Sirona wurde häufig an Heilquellen verehrt.

Dargestellt wurde sie als junge mit einer Palla bekleideten Frau, teilweise mit Traube und Ähre als Attribut, teilweise, nach dem Vorbild der Hygieia, mit einer Schlange in ihren Händen haltend.

Ihr Name bedeutet „erhabener, großer Stern“ oder „Kalbin, Färse“. Helmut Birkhan präferiert die letztere Übersetzung, da er es, Garrett S. Olmsted folgend, mit der indogermanischen Wortwurzel *ster- („noch nicht geschlechtsreifes Rind“) in Verbindung bringt.

In Inschriften kommen neben Sirona noch andere Schreibweisen vor: Mehrmals Đirona und jeweils einmal Serana und Thirona. Die verschiedenen Schreibweisen des Anfangslautes zeigen die Schwierigkeit, ihn mit dem lateinischen Alphabet wiederzugeben. Das Đ wird Tau Gallicum genannt und ähnlich wie ein scharfes, zischendes ß, ss, z oder ts ausgesprochen, am Wortanfang jedoch auch wie st. Daher wurde die Göttin wohl ungefähr Zirona ausgesprochen.

In der römischen Stadt Iuvavum (heute Salzburg) wurde offenbar intensiv Asklepios und Hygeia verehrt. Im Umland (heute Bayern) fand sich auch eine Weihung an den Heilgott Apollo Grannus und an die Quellgöttin Sirona. Unter Umständen ist demnach Grannus und Sirona von griechischen Freigelassenen dort mit Asklepios und Hygeia gleichgesetzt worden. In Salzburg wurden aber neben den Funden Asklepios und Hygeia auch Serapis und Kybele gefunden. Sodass auch hier eine Gleichsetzung vermutet werden kann.

Von der Kybele gibt es aber im gesamten norischen Gebiet viele Darstellungen, sodass hier unter Umständen an Sirona gedacht werden kann.

Beispielsweise ist hier die heute kopflose Sitzstatue der sog. „Kuhdirn“ von Wutschein (Gemeinde Magdalensberg, Kärnten) zu denken (Der abgetrennte Kopf soll in den Kellerfundamenten des südöstlich gelegenen Bauernhofes eingemauert worden sein).

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Smertrios, auch Smertrius, Smertulitanos, oder Smertullus, war ein keltischer Gott, der in der Interpretatio Romana mit Mars gleichgesetzt wird.

Smertrios ist besonders durch seine Darstellung auf einem Quader des Pfeilers der nautae Parisiaci („Pariser Schifferzunft“), die aus der Zeit des Kaisers Tiberius stammt, bekannt geworden. Auf dem sogenannten Quader III, dem „Dioskuren-Quader“, ist sein unvollständiges Relief erhalten, das eine Gottheit mit Keule im Kampf mit einer Schlange zeigt. Die untere Hälfte des Quaders ist verschollen. Die teilweise zerstörte, aber rekonstruierte Inschrift lautet Smert[rios]. Die Bildkonzeption erinnert an Herkules, ein dazugehörender Mythos ist jedoch nicht bekannt.

Smertrios

Weitere Fundstellen sind im Großraum Trier, wo Inschriften für Mars Smertrius entdeckt wurden. In einer davon, bei Möhn, mit der Namensvariante Sme[rtuli]t[a]no, wird er als Begleiter von Ancamna bezeichnet. Diese Deutung wird durch zwei weitere Inschriften, die den Namen Smertulitanos erwähnen, bestätigt. Eine Inschrift aus Großbuch in Kärnten mit dem Fragment [D]iti Smer[trio] könnte eine Gleichsetzung von Smertrios mit Dispater belegen.

Eine weitere Gottheit, die eventuell mit Smertrios identisch sein könnte, ist Smertullus. Dieser ist dreimal in Südfrankreich bezeugt, nämlich in Lattes, Le Veyer im Naturpark Queyras und Cadenet.

Smertrios wird von manchen Sprachforschern von der indogermanischen Wortwurzel *smeru („Fett“, „Mark“) abgeleitet. Verwandt ist das altirische Wort smertha („eingeschmiert“, „eingefettet“), siehe auch unser Wort „Schmer“ für Schmalz. Andere leiten den Namen von indogermanisch *smer- („gedenken, sich erinnern, sorgen“) ab, wobei Smertrios dann „der Versorger“ wäre.[10] Die Göttin Rosmerta steht Smertrios etymologisch sehr nahe.

Das Einfetten einer Götterfigur war eine überlieferte Kulthandlung.

Suleviae

Die Suleviae oder Suleiviae sind eine Gruppe von Göttinnen, die von den Kelten verehrt wurden. Von ihnen sind etwa 40 epigraphische Zeugnisse bekannt, vor allem im östlichen Gallien, in den Provinzen Gallia Belgica, Germania inferior, Germania superior, aber auch in Britannien, Noricum und eine große Anzahl in Rom. Die Suleviae werden mit den Matres (Matronen) in Verbindung gebracht und auch als Sonnen- und Heilgöttinnen sowie als Mutter- und Landesgöttinnen gesehen.

Bei den Helvetiern war die Formel „seine Suleviae“ verbreitet und einmal in Rom „meine Suleviae“, was auf persönliche Schutzgöttinnen schließen lässt. Sie werden auch „seine häuslichen Suleviae“ genannt, Schwestern oder Mütter. All dies deutet auf eine familiäre Vertrautheit der Göttinnen hin. Manchmal tragen sie Beinamen wie „Iunonibus“ (nach der römischen Göttin Iuno) oder „Atumarae“.

In einer südgallischen Inschrift tritt nur eine einzelne Sulevia auf, die mit der römische Göttin Minerva gleichgesetzt wurde, während im römischen Heilbad Aquae Sulis (heute: Bath, England) die Göttin Minerva Sul verehrt wurde. Interessant ist eine Inschrift aus demselben Ort, da sie vom Bildhauer Sulinus den Suleviae gestiftet worden ist.

Der Name Suleviae hängt vermutlich mit der Göttin Sulis (eventuell als Pluralform) und dem irischen Wort súil („Auge“) zusammen. Suleviae könnte auch auf die reguläre Pluralform eines u-Stammes *Sûleu̯es zurückgehen, wahrscheinlicher liegt die Pluralform des i-Stammes *Sûlei̯es zugrunde, die in gallorömischer Aussprache und Orthographie als Sulevis erscheint.

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Taranis ist ein keltischer Gott des Himmels, des Wetters und des Donners. Dem römischen Dichter Lucan zufolge stand er mit Teutates und Esus an der Spitze der keltischen Götterwelt.

Taranis wird allgemein als „der Donnerer“ gedeutet, verwandt sind das walisische „Taran“ und das irische „Torann“ (beides mit der Bedeutung „Donner“). Der Sache und eventuell auch dem Namen nach besteht Verwandtschaft mit dem germanischen Donnergott Donar/Thor. Inschriftlich bezeugte oder aus Inschriften erschlossene Varianten des Namens sind Taranus (als u-Stamm erschlossen aus dem Dativ Ταρανοου einer Inschrift aus Orgon, Bouches-du-Rhône: RIG I G-27); Taranucnus (Rheinland CIL XIII, 6478; wohl „Donner-Sohn“ zu deuten) und Taranucus (Dalmatien CIL III, 2804). In Britannien ist er als IOM TANARO (Chester: The Roman Inscriptions of Britain (RIB)) bezeugt.

Taranis

„Taran“ erscheint außerdem als Personenname verschiedener piktischer Könige. In den walisischen „Vier Zweige des Mabinogi“ ist ein „Taran“ der Vater des Helden Glinnew.

Die Erwähnung bei Lucan hat nicht primär die keltischen Gottheiten zum Gegenstand, sondern verwendet sie lediglich für eine Umschreibung der Ligurer oder Gallier und hebt dabei die besondere Grausamkeit oder Wildheit ihres Kults hervor:

„et quibus inmitis placatur sanguine diro
Teutates horrensque feris altaribus Esus
et Taranis Scythicae non mitior ara Dianae“

„und ihr, von denen mit entsetzlichem Blut besänftigt wird der grausame
Teutates, und auf wilden Altären die schrecklichen Esus
und Taranis, nicht minder grausam ist der Altar der skythischen Diana“


– Marcus Annaeus Lucanus: (Pharsalia I, 444-446):
Der Verweis auf die skythische Diana hat in der älteren Literatur zuweilen den Eindruck entstehen lassen, das Taranis bei Lucan als weibliche Gottheit aufgefasst sei, oder auch die Vermutung, dass es sich bei dem keltischen Namen ursprünglich um ein feminines Appellativ zur Bezeichnung der Donnergottheit gehandelt habe, die dann in eine männliche Gottheit umgedeutet worden sei.

Die Commenta Bernensia (Berner Lukan-Scholien), eine Sammlung von Lucan-Glossen spätantiker Provenienz, die in karolingischer Zeit für den Schulunterricht aufbereitet wurden und in einer Berner Handschrift des 10. Jahrhunderts überliefert sind, steuern zu Taranis Erklärungen aus zwei verschiedenen Überlieferungen bei. Nach der einen entsprach Taranis dem Unterweltgott Dis Pater (d. h. Pluto), und Opfer wurden ihm gebracht, indem Menschen in einer Mulde oder einem Trog aus Holz („in alveo ligneo“) verbrannt wurden. Nach der anderen war er der oberste Gott des Kriegs und des Himmels, den anderen Göttern übergeordnet und mit Jupiter gleichgesetzt, und ihm wurden in älterer Zeit menschliche Köpfe, später aber Vieh als Opfer dargebracht.

Die auch inschriftlich mehrfach bezeugte Interpretation als Jupiter würde es nahelegen, in ihm den von Julius Cäsar in De Bello Gallico erwähnten gallischen Jupiter zu sehen, welcher (laut Cäsar) in der Vorstellung der Gallier die himmlischen Kräfte beherrschte. Als Dis Pater hätte man ihn dagegen mit jenem Gott zu identifizieren, von welchem laut Cäsar die Gallier abzustammen glaubten.

Im Allgemeinen wird Taranis mit dem keltischen Typus des sogenannten „Radgotts“ identifiziert, der ein Rad oder Radsymbol oder ein Radkreuz in Händen trägt. (Die wohl bekannteste Darstellung des „Radgotts“ findet sich auf dem Kessel von Gundestrup, auch wenn der dargestellte Gott dort nur ein halbiertes Rad hält). Spätantike Darstellungen sind deutlich von mediterranen Statuen des Jupiter beeinflusst, die ihn bärtig und mit Donnerkeil zeigen. Berühmt sind vor allem die Darstellungen auf den „Jupitergigantensäulen“. Frühkeltische Darstellungen sind dagegen wesentlich seltener und schwieriger zu identifizieren und werden zumeist anhand des genannten Radsymbols als solche klassifiziert. Die Deutung des Rads ist nicht eindeutig. Neben dem Rad als Sonnensymbol wurden auch schon Interpretationen als Mondzeichen, jahreszeitliches Symbol, Symbol der Zeit oder Weltordnung oder gar als Kugelblitz vorgeschlagen.

Die in der Berner Glosse erwähnte Verbrennung von Menschen hat man mit allgemeineren, nicht speziell auf Taranis bezogenen Nachrichten bei Diodor, Strabon und Poseidonios in Verbindung gebracht, wonach Menschen in großen Weidengeflechten verbrannt wurden. Bei Diodor und Poseidonios ist auch von Brandopfern von Tieren (laut Diodor im Krieg erbeutete Tiere) die Rede. Die geopferten Menschen waren nach Angaben Diodors verurteilte Verbrecher, die auch mit Pfeilen erschossen oder aufgepfählt wurden (d. h., die Verurteilten wurden nicht lebendig verbrannt, sondern nach ihrer Hinrichtung dem Opferfeuer übergeben).

Vibes

Die Vibes (Singular Vibis) sind norische weibliche Gottheiten oder göttliche Wesen der keltischen Mythologie. Sie sind Quellgottheiten und gelten als die Hüterinnen der Thermalquellen von Warmbad. In gewisser Weise können die keltischen Vibes mit griechischen Quellnymphen gleichgesetzt werden.

Der Name der Vibes kommt aus dem Keltischen und lautet übersetzt „die Sprudelnden“.

Inschriften, in denen die Viben angerufen werden, wurden bisher ausschließlich in Noricum – unter anderem in Vranje, Slowenien, in Warmbad bei Villach, in Lauriacum (Lorch bei Enns) und in Flavia Solva (Wagna bei Leibnitz) – gefunden.

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